Kennst Du das Gefühl, irgendwo dazwischen zu hängen?
Nicht mehr wirklich im Alten verankert – aber auch noch nicht in einem neuen Raum angekommen? Ein Zustand, in dem die Orientierung fehlt, in dem man im Niemandsland umherirrt und nach Halt sucht. Nach etwas Altem, Vertrautem, das noch trägt und ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt.
Doch dieses Alte ist nicht mehr existent. Es hat sich schrittweise aufgelöst.
Und was bleibt, das ist Leere.
Diese Leere kann Angst machen. Sie kann Zweifel säen und ein tiefes Gefühl von Verlorensein auslösen. Und sie begegnet uns im Leben nicht nur einmal. Manchmal betrifft sie einen einzelnen Lebensbereich, manchmal trifft sie uns im Kern unseres Daseins – und entzieht uns all das Gewohnte und Liebgewonnene, was uns bisher Halt und Sicherheit gegeben hat.
Und doch ist dieses Erleben Teil des Kreislaufs, in dem wir leben. Dem Circle of Life – dem immerwährenden Kreislauf von Werden, Aufblühen und Vergehen, aus dem immer wieder Neues hervorgeht. Jeder von uns bewegt sich in seinem Kreis, in seinem eigenen Tempo, mit seinem eigenen Rhythmus.
Was machen wir hier auf der Erde? Sind wir nicht hier, um uns zu entwickeln?
Doch wie geschieht diese Entwicklung?
Wie wachsen wir über uns hinaus?
Vielleicht, indem wir unseren eigenen Kreis erweitern. Indem wir ihn ausdehnen – nach oben oder in die Weite. In welche Richtung auch immer, das darf jeder für sich selbst herausfinden.
Schauen wir in die Natur, diesen stillen und doch so weisen Lehrmeister:
Ein Baum wächst nicht, indem er festhält, sondern indem er loslässt. Jedes Jahr verliert er seine alten Blätter, zieht sich zurück und ruht. Im Frühjahr beginnt er dann wieder neu auszuschlagen – mit stärkeren Ästen, mehr Blättern, neuer Kraft. Niemals in derselben Gestalt, sondern jedes Jahr in mehr Fülle und Größe.
Auch wir Menschen dürfen so wachsen.
Doch dieses Wachstum geschieht meist ganz unbemerkt und im Unsichtbaren. Es beginnt in einer Phase des Überganges – dort, wo Altes wegbricht und das Neue nicht zu sehen ist und nicht greifbar erscheint. Wie ein Same, der lange in der Erde liegt und reift, bevor er mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühling beginnt, sich seinen Weg an die Oberfläche zu bahnen. Die Entwicklung hat längst schon begonnen, auch wenn wir sie noch nicht sehen können.
Genau dieser Raum ist es, den wir oft als Leere empfinden. Als das Dazwischen, als „Niemandsland“.
Und genau hier fühlen wir uns zunächst verloren. Wir versuchen, uns abzulenken, uns zu beschäftigen, ständig aktiv zu bleiben. Wir flüchten uns beispielsweise in die Arbeit oder verlieren uns in den sozialen Medien. Nur, um diesem Gefühl der Leere nicht begegnen zu müssen. Das ist menschlich. Und vermutlich hat das jeder von uns schon erlebt.
Doch wenn wir beginnen zu verstehen, dass diese Leere kein Fehler oder Versagen ist, sondern eine notwendige Voraussetzung für Wachstum, dann verändert sich etwas. Dann erkennen wir, dass sie uns nicht aufhält, sondern vorbereitet – dass sie kein Stillstand, sondern ein Übergang ist. Ein Übergang in die Bewegung.
Wir dürfen lernen, diese Leere zu akzeptieren.
Sie auszuhalten.
Und sie anzunehmen.
Dann erkennen wir, dass es kein Ende ist, sondern der Beginn von etwas Neuem in unserem Leben.
Vielleicht ist das Dazwischen genau der Raum, in dem wir lernen, uns selbst wieder zu vertrauen – ohne doppelten Boden, ohne fertige Antworten. In dem wir lernen dürfen, Geduld zu haben – um wieder zu werden. Und um weiter zu wachsen.
Und genau darin liegt sein Geschenk.